Buss Areal – vom Industriestandort zum Stadtraum
1923
VON DER «CHNOCHENSTAMPFI» ZU «BREDELLA»

Das Areal

1884 gründet Carl Albert Buss eine Werkstatt für Bau- und Kunstschlosserei – anschliessend spezialisiert sich das Unternehmen auf Stahlwasserbau. Sein Unternehmen erschuf Werke wie die Mittlere Brücke in Basel, die Stahlelemente der Kraftwerke Rheinfelden, Augst und Kembs ebenso wie die Plattform des Chrischona-Turms.

Die Masterplanung «Bredella» umfasst das zusammenhängende Areal der ehemaligen Buss AG und der Rohrbogen AG. Dieses wird im Norden von der Hohenrainstrasse, im Osten vom Gallenweg, im Süden von der Bahnlinie und im Westen von der Wasen- und der Salinenstrasse begrenzt. 

Die Arealgeschichte beginnt 1884, als Albert Buss in Basel seine Firma Albert Buss & Cie gründete. 1893 verlagerte er einen Grossteil der Produktion nach Pratteln. Von hier aus wurden einst Werke in alle Welt erschaffen. So zum Beispiel die Mittlere Brücke in Basel oder die Plattform des Chrischona-Turms. Damals war der direkte Bahnanschluss für den Produktionsbetrieb von grosser Wichtigkeit. Dem Unternehmen ging in den Anfangszeiten der Ruf voraus, eine «Chnochenstampfi» zu sein: Mitarbeiter gerieten in die riesigen Stampfmaschinen und herunterfallende Träger zertrümmerten Füsse, als Sicherheitsschuhe noch in weiter Ferne lagen. Dennoch florierte der Betrieb und prägte die Industrielandschaft Prattelns massgeblich. 

Die Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre löste den Niedergang des florierenden Buss Areals aus. Zuvor arbeiteten in den besten Zeiten rund 1100 Personen bei der Buss in Pratteln, darunter viele von der Lehre bis zur Pensionierung. 1979 übernahm die Georg Fischer AG aus Schaffhausen 58 Prozent der Buss Aktien und stockte 1990 auf 93 Prozent auf. Das Unternehmen wurde in seine Sparten aufgeteilt und einzeln verkauft.  

Das Areal an sich, als Immobilie, gehört seit 2001 Hermann Alexander Beyeler. Seine Firma Buss Immobilien und Service AG bewirtschaftet das Gelände, auf dem auch heute noch der geschichtsträchtige Name «Buss» anzutreffen ist: Die Buss ChemTech AG ist im Industrieanlagenbau tätig und die Buss AG stellt Ko-Kneter her. Beide Betriebe sind heute Mieter bei der Buss Immobilien und Service AG. Hermann Alexander Beyeler liess 2014 zu Ehren der «Busslianer» ein Denkmal auf dem Prattler Hohenrainkreisel erbauen. Das Kunstwerk seiner Tochter Paula Beyeler zeigt drei Zahnräder, die für den Abschied Prattelns vom Zeitalter der Schwerindustrie stehen.

In seiner heutigen Zwischennutzung ist das Industrieareal wieder lebendig. Rund 80 Firmen bieten etwa 1000 Arbeitsplätze. Heute nutzt das produzierende Gewerbe jedoch den direkten Bahnanschluss nicht mehr. Die bestens erschlossene Lage unmittelbar am Bahnhof von Pratteln ist für die Betriebe nicht mehr von Vorteil. Im Gegenteil, das heute geschlossene Industrieareal soll für die Öffentlichkeit geöffnet werden, um die umliegenden Quartiere zu erschliessen. Grünflächen und Aufenthaltsmöglichkeiten mit neuem Bahnhofsplatz und Busterminal sollen den zentralen Ort beleben.

Für die heutigen Mieter werden individuelle Lösungen als Ersatz für bestehende Mietverhältnisse gesucht. Mit der schrittweisen Umsetzung soll die Vision des Stadtquartiers «Bredella» in den kommenden fünf bis fünfzehn Jahren Wirklichkeit werden.

Buss Immobilien und Service AG

Historische Entwicklung
  • 1850
    Pratteln das Bauerndorf. Die Bahnlinie wird erst 1854 eröffnet.
  • 1925
    Pratteln der Industriestandort. Fabriken entstehen und wachsen.
  • 1970
    Pratteln im Wachstum. Der Autobahnanschluss lässt Pratteln boomen.
  • 2018
    Pratteln im Wandel. Der Vorort wird selber immer städtischer.

IMPRESSIONEN